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Business Schools denken um

(article published in Handelsblatt, Oct 2009)

Die üblichen Verdächtigen haben am Rednerpult erst mal ausgedient. Statt Vorstandschefs halten jetzt Gutmenschen oder Geläuterte die Eröffnungsreden in MBA-Programmen, hat Matt Symonds beobachtet.

Es ist gute Tradition an jeder Business School, die Neuankömmlinge eines MBA-Studiengangs mit einer inspirierenden Rede zu begrüßen. In den vergangenen Jahren gaben sich führende Vertreter aus Großkonzernen und Banken ein Stelldichein am Rednerpult und erklärten den Studenten, was diese tun müssten, um in ihre Fußstapfen zu treten.

Ausgelöst durch die Wirtschaftskrise und die Rolle, die einige führende Business Schools und ihre Absolventen nach Ansicht vieler Kommentatoren dabei spielen, haben die “üblichen Verdächtigen” als Identifikationsfiguren erst mal ausgedient. An ihre Stelle treten seit diesem Jahr Redner, die glaubwürdig weichere, grüne Themen vortragen können und an die soziale Verantwortung der angehenden Führungskräfte appellieren.

Ein Redner zur Abschreckung

An der Tuck School of Business in New Hampshire lauschten die Studienanfänger dieses Jahres den Ausführungen von David Stone. Stone, selbst Tuck-Absolvent, hat gerade Mikro-Unternehmen in Afghanistan aufgebaut. Zur Abschreckung hatte die Schule dazu noch einen ehemaligen Topmanager eines großen amerikanischen Unternehmens eingeladen, der wegen Betrugs im Gefängnis gesessen hatte.



An der Melbourne Business School in Australien veranlasste der Philosoph John Armstrong die MBA-Aspiranten zum Studienbeginn, ihre persönlichen Ambitionen zu hinterfragen. Sie sollten das Geschäftliche gedanklich enger mit Familie und Umwelt verknüpfen, empfahl Armstrong. Eine der führenden Schulen in Europa, die HEC Paris, verpflichtete den Umweltaktivisten Yann Arthur Bertrand, dessen Botschaft lautete: Nur ein verantwortungsbewusster Führungsstil könne den Planeten retten.

Die Frage ist, ob die Business Schools damit nur dem aktuellen Trend folgen? Werden nicht wieder die alten Industriekapitäne auftauchen und ihre “Gier ist gut”-Mentalität herausposaunen, sobald die globale Wirtschaft wieder auf die Füße kommt? Dagegen spricht, dass inzwischen auch die Unternehmen die Bedeutung von Themen wie Corporate Social Responsibility und Nachhaltigkeit erkannt haben. Härtere Gesetze, die Krise, Skandale, wie der um den Milliardenbetrüger Bernie Madoff, aber auch der Einfluss der Online-Kommunikation und die öffentliche Meinung haben diese Aspekte ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. In einer Ära schwindender Ressourcen erkennen viele Führungskräfte – und damit auch die Schulen, die sie ausbilden -, dass soziales und verantwortliches Verhalten tatsächlich wirtschaftlich sinnvoll ist.

Insofern ist nicht die Vielzahl der Vortragenden bemerkenswert, die für die Antrittsreden 2009 weichere, grüner angehauchte Themen gewählt haben, sondern die Tatsache, dass sie erst jetzt eingeladen worden sind. Schließlich haben sich viele Business Schools schon für soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit eingesetzt, als die Kreditkrise noch in weiter Ferne lag. Angel Cabrera, der Präsident der Thunderbird School of Global Management, hatte schon vor fast zehn Jahren die Idee, dass MBA-Absolventen ähnlich wie Mediziner einen “hippokratischen Eid” leisten sollen. Die Lorbeeren für die Umsetzung dieser Idee hat Harvard-Student Maxwell Anderson jetzt eingeheimst.

Die Wirkung der Lehre ist die Tat des Absolventen

Und die HEC Paris predigt schon so lange verantwortungsbewussten Führungsstil, dass der französische Energieminister Jean-Louis Borloo jüngst beim 40-jährigen Jubiläum der Schule darauf verwies, die Idee, sich mit der Umwelt auseinander zu setzen, verdanke er seinem MBA-Aufenthalt an der Schule 1976. Natürlich war und ist es leicht für die Schulen, den Wert sozialer Verantwortung zu betonen. Der einzige Nachweis für die Wirkung dieser Lehren wird an den Taten ihrer Absolventen gemessen. In Anbetracht der Prominenz, die MBA-Absolventen wie die ehemaligen Vorstandschefs Richard Fuld von Lehman Brothers, Andrew Hornby von HBOS und Rick Wagoner von General Motors während der Krise erlangt haben, fragen Zyniker zu Recht, ob die Betonung der sozialen Verantwortung nicht bloße Lippenbekenntnisse waren.



Dabei wird aber häufig vergessen, dass jedes Beispiel für Gier und Anmaßung von denjenigen MBA-Studenten wieder wettgemacht wird, die nützliche und nachhaltige Arbeiten verrichten. Jason Chuei, ein Tiermediziner, der derzeit an der Melbourne Business School seinen MBA erwirbt, hat sich von der Vorstellung verabschiedet, ein hoch bezahlter Banker oder Berater zu werden. Nachdem er erlebt hatte, wie schlecht es in vielen Entwicklungsländern um den Tierschutz bestellt ist, baut er eine globale Wohltätigkeitsorganisation für Veterinärmedizin auf. Den MBA sieht Chuei als Chance, Führungsqualitäten zu entwickeln und ein internationales Netzwerk aufzubauen, um die Pläne umzusetzen.

Der Warwick-Business-School-Student Stephen Thornhill hat sich mit einer Nichtregierungsorganisation in Malawi zusammengeschlossen, um ein Programm zu entwerfen, das die Übertragung von HIV von Müttern auf ihre Kinder verhindern soll. Er sammelte 250000 Dollar Spenden, um das Projekt in Gang zu halten. An der Esade in Spanien haben MBA-Studenten eine ganze Reihe an Sozialvorhaben in Entwicklungsländern auf den Weg gebracht, die Bereiche wie die Abfallverwertung, die Wiedereingliederung Behinderter in die Gesellschaft, die Dekontaminierung von Wasser und die Nutzung von Solarenergie abdecken. Diese Beispiele zeigen, dass bereits heute viele MBA-Absolventen ihren Beitrag zum Gemeinwohl leisten – auch ohne inspirierende Antrittsreden.

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About symondsgsb

Matt is chief editor of MBA50.com, a website dedicated to the world's outstanding business schools. He is an internationally recognised business and graduate school expert, consulting to the world’s top business schools, and has written for many of the world’s leading publications including : Forbes, The Economist, BusinessWeek, BBC, Newsweek, CNBC, America Economia, Washington Post, The Independent, Boston Globe, Handelsblatt, 21st Century Herald, South China Morning Post, Vedomosti, San Francisco Chronicle, Expansion, Beijing Daily. Matt was Co-Founder of the QS World MBA Tour Matt is co-author of Getting the M.B.A. Admissions Edge, a B-school admissions bestseller sponsored by Goldman Sachs and McKinsey. His new individual school guides will be available in the fall.

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